Filter schließen
Filtern nach:
Newsletter abonnieren
Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter.

Ratgeber: Wohngesundheit - Teil 1 - Gesundheitliche Risiken

Wohngesundes Planen ist die neue, die erweiterte Devise. Schutz vor Gefahrstoffen und Vermeidung von belastenden Bau- und Ausbaustoffen ist die praktische Schlussfolgerung dieser Devise. Eine baubiologische Begutachtung als Unterstützung für den Bauherren und planenden Architekten, Bauingenieur bzw. Zimmermannsmeister ist die Maßnahme zur Umsetzung der neuen Zielsetzung. Dieses Thema teilen wir in drei aufeinander folgende Ratgeber ein und beginnen. Mit diesem ersten Teil behandeln wir die gesundheitlichen Risiken, um eine Wissengrundlage zu schaffen. Somit sind Sie gerüstet die Maßnahmen und Umsetzungen für das gesunde Wohnen besser nachzuvollziehen. Abschließen widmen wir uns den Prüf- und Gütesiegeln. Dieser letzte Ratgeber des Dreiteilers soll Ihnen ermöglichen durch die Vielzahl an Zertifizierung durchzublicken und zugleich soll Ihnen mit einer kleinen Übersicht veranschaulicht werden welche Institutionen und Fachberater existieren.

Die gesundheitlichen Risiken bei Verwenden von Baustoffen leitenwir zuerst mit den Folgen durch Belastungen ein, da öfters erst durch gesundheitliche Auswirkungen die Aufmerksamkeit gewonnen wurde. Der Logik nach führt der nächste Schritt zu den Ursachen, die bei der Recherche durch Chemiker, Biologen und verschiedenster Techniker entdeckt wurden. Als Vorgeschmack für den zweiten Teil dieser Ratgeberserie lassen wir die erlangten Kenntnisse in die Zielsetzung und Maßnahmenergreifungen als abschließendes Kapitel einfließen.

Was gefährdet mein gesundes Wohnumfeld?

Unterschiedlichste Ereignisse haben zu Untersuchungen und zu Erkenntnissen geführt, die sich letzten Endes in Form von Richtlinien, Verordnungen und Grenzwerten für die Praxis niedergeschlagen haben. Asbestplatten sind bekannte Baustoffe, die zu Krebserkrankungen geführt haben. Mineralwollen bestehen ebenfalls aus Mineralfasern, ob in Form von Glas- oder Mineralwolle, und wurden als gesundheitlich bedenklich eingestuft. Wiederum standen Holzwerkstoffplatten in der Kritik gesundheitsgefährdende Ausgasungen aufgrund Ihrer Klebemittel wie Formaldehyd zu verusachen. Die Vergasung ist bei Anstrichmitteln wie Farben, Lasuren und Lacke ebenfalls relevant! Diese Beispiele sollen die einhergehenden Risiken veranschaulichen. Denn diese decken ein breites Spektrum an Gesundheitsbeeinträchtigungen ab, welche von unterschiedlichsten temporären Beschwerden, über chronischen Gesundheitseinschränkungen bis zur meistens tödlichen Krebserscheinung reichen.

Einige Beispiele an Folgen für Ihre Gesundheit

Diese Auflistung soll Ihne vor Augen führen, welche Auswirkungen bislang bei unseren Mitmenschen von Fachleuten entdeckt wurden und auf jene Ursachen zurückzuführen sind:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Gereizte Schleimmhäute
  • Chronische Atemwegerkrankungen (z. B. Asthma)
  • Allergien
  • Entzündliche Erkrankungen des Organsystems
  • Nervenerkrankungen
  • Permanente Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein
  • Schwächung des Immunsystems
  • Brennende Augen
  • Chronische Erkrankungen
  • Krebs

Belastungsarten, Schadstoffe und Ihre Quellen

Durch die verschiedenen Erscheinungen der Erkrankungen durch Baustoffe wurden Bemühungen unternommen die Ursachen aufzudecken, um diese mit Maßnahmen in Griff zu bekommen. Hierdurch haben sich die Unterteilung in Belastungsarten herauskristallisiert und Schadstoffe wurden mit ihren Schadstoffquellen wiederum identifiziert. Auf Grundlagen der Naturwissenschaften und der Praxis unterteilen sich die Belastungsarten in die chemische, biologische und physikalische Belastungsform. Im Folgenden erläutern wir Ihnen diese näher:

Chemische Belastungen

Mit der Industrialisierung und der Vetiefung der Wissenschaften wird immer mehr Chemie im Bereich Baustoffe, Reinigungs- und Haushaltsmittel entwickelt und angewandt. Menschen werden somit Stoffen durch Hautkontakt und den Atemweg ausgesetzt und riskieren zu erkranken. Ausgasungen (Lösemittel) oder Schwebstoffe (auch Fasern) betreffen den Kontakt durch die Luft.

Die zwei folgenden Auflistungen zeigen Ihnen einerseits in welchen Baustoffen solche chemischen Ursachen vorzufinden sind bzw. waren und andererseits auschnittsweise welche chemischen Stoffe bzw. Verbindungen bislang bekannt wurden.

Chemische Belastungsquellen

  • Klebstoffe
  • Dichtstoffe
  • Kunststoffe
  • Anstrichmittel (Farben, Lasuren und Lacke)
  • Putze
  • Bodenbeläge
  • Wand- und Deckenverkleidungen
  • Möbel und sonstige Einrichtungsgegenstände
  • Dämmstoffe (mineralische oder organische Fasern)
  • Naturstein und Keramik

Hinweis: Bei Natursteinen und Keramikstoffen wird die radioaktive Strahlung in Betracht gezogen, wobei diese meistens weit unter den vorgegebenen Grenzwerten liegt.

Problematische chemische Substanzen

  • flüchtige organische Verbindungen (VOC)
  • Weichmacher (z. B. PCB, Phtalate)
  • Konservierungsmittel
  • Formaldehyd (Verklebung von Spanplatten)
  • Biozide
  • Holzschutz(mittel): PCP - Pentachlorphenol

Hierzu einige Informationen, damit Sie diese Beispiele besser zuordnen können:

Die flüchtigen organischen Verbindungen sind insbesondere bei Anstrichmitteln maßgebend. Aufgrund dieser Erkenntnis und der darauf folgenden Richtlinie haben viele Hersteller Lacke, Lasuren und Farben entwickelt, die diese Grenzwerte einhalten. VOC-Lack ist ein daraus entsprungener Ausdruck. Die Alternative zu Lösemitteln wurde in Wasser gefunden, sodass wasserbasierte Lacke (Wasser-Lacke) entwickelt wurden. Diese besitzen einen bei weitem geringeren Lösemittelanteil. Weichmacher und Konservierungsmittel sind bekannte Beispiele für Zusatzstoffe bzw. Additive für Anstrichmittel, um diese in Ihren Eigenschaften den Ansprüchen anzupassen. In Kunststoffbauelementen können solche ebenfalls angetroffen werden. Formaldehyd wird bei der Verklebung bei Holzwerkstoffplatten verwendet. Biozide werden bei Farben mit schimmelhemmenden Eigenschaften gerne eingesetzt, im Gegensatz zu Herbiziden und Fungiziden. Diese finden in der Landwirtschaft ihre Anwendung, wenn der Landwirt gegen Schädlinge spritzt.

Biologische Belastungen

Die zweite wohngesundheitliche Belastungsform lässt sich auf Bestandteile zurückführen, die in der Natur vorzufinden sind. Auch wenn vielen biologischen Ursachen mit einem gesunden Hygienebewusstsein entgegen gesteuert werden kann, so können ebenfalls bauphysikalischen Vorkehrungen schützend wirken.

Biologische Belastungsquellen

  • Hefepilze
  • Bakterien
  • Hausstaubmilben
  • Schimmelsporen
  • Keime

Physikalische Belastungen

Als dritte Belastungsform sind unterschiedliche, physikalische Ursachen in Betracht zu ziehen, welche die Gesundheit bzw. das Wohlempfinden des Menschen stören können. Insofern kann sich der Mensch nicht erholen oder wird direkt belastet.

Physikalische Belastungsarten

  • Lärm (Schall)
  • Feuchtigkeit
  • Temperatur (Hitze und Kälte)
  • Elektro-magnetische Strahlungen (Elektrosmog)
  • Luftverschmutzung (Luftschadstoffe)

Mit dem Schallschutz wird man unerwünschten bzw. unzumutbaren Lärmursachen Herr. Dieser findet Anwendung bei der Berücksichtigung von äußeren Belastungen an vehrkehrsstarken Strassen in der Stadt, oder bei internen Lärmbelastungen zwischen Etagen und Räumen innerhalb eines Hauses selbst. Zwischenwände zu anderen Wohneinheiten sind ebenfalls wichtig zu betrachten, um auch die Privatsphäre der Wohnparteien gegenüber der anderen aufrecht zu erhalten. Spielende Kinder, laut Musik hören, das Arbeiten im Arbeitszimmer und das entspannte Sich Zurückziehen im Leseraum sind Beispiele, die einen durchdachten Schallschutz für das behagliche Beisammenwohnen begründen.

Feuchteschutz ist nicht nur eine gesundheitliche Angelegenheit, sondern ist auch in Anbetracht der Bausubstanzerhaltung entscheidend. Durch die energetischen Bausanierungen und Energieeinsparverordnung (EnEV) sind luftdichtere Bautechniken in der Anwendung. Hierdurch ist das Sich Ansammeln von Feuchtigkeit in den Innenräumen und auch in der Baukonstruktion (insbesondere im Holzbau) zu betrachten. Ein gesundes Maß an Luftfeuchte soll erhalten bleiben und ein gesundheitsgefährdendes Maß soll nicht überschritten werden bzw. fachgerecht aus dem Haus entweichen können. Dabei soll sich wiederum keine Feuchtigkeit in der Baukonstruktion ansammeln und die Bausubstanz gefährden. Zum Beispiel ist das Passivhaus ein geschlossenes, hochdichtes System, indem sogar Lüftungsanlagen mit nicht manuell zu öffnenden Fenstern eingebaut werden. Der Luftaustausch wird geregelt.

Zu lange anhaltende Kälte und Hitze gefärdet die Erholung und die Behaglichkeit, sodass der sommerliche Hitze- und der Wärmeschutz für die kalten Jahreszeiten mit der fachgerechten Dämmung in Angriff genommen wird.

Der Elektrosmog wird in interne und externe Belastungsquellen unterteilt. Zusätzlich zu den Leitungen im Haus selbst sind die Hochspannungs- und Sendemasten die größten externen Belastungsquellen. Zu den internen wiederum gehören auch WLAN-Router und -Verstärker, Schnurlostelefone, Mobiltelefone, Mikrowelle, etc..

Die Luftverschmutzung ist insofern eine physikalische Belastung, da durch luftdichtere Baumaßhnahmen ein Entweichen umso schwieriger wird. Durch die richtige Durchlüftung kann dieser Herausforderung teilweise entgegen gesteuert werden.

Ziel, Maßnahmen und Begriffe

Die Ziele des gesunden Wohnens sind nun durch die Beschreibung der gesundheitlichen Folgen und Ihren Ursachen besser zu verstehen.

Zieldefinition

Eine klare Zielsetzung in Bezug zum gesunden Wohnen ist erkennbar: der Wohnstandard soll die Gesundheit erhalten und die Behaglichkeit ermöglichen. Die sich einstellende Entwicklung ist mit der Minimierung von gesundheitsschädlichen Einflüssen nur teilweise erfüllt. Indem schadstoffarm gebaut wird, werden nicht nur generell, sondern auch individuell die Empfindlichkeiten der Menschen berücksichtigt. Immer mehr Menschen weißen individuelle Sensiblitäten (z. B. Allergien) gegenüber sogar ungefährlichen Stoffen auf. Das kann durch die richtige Materialwahl berücksichtig werden. Wiederum kann der Behaglichkeit mit der Gebäudeformplanung und der Innenraumgestaltung in Form von Licht- und Farbgestaltung gerecht werden. Die folgende Tabelle soll Ihnen ein Ansatz zur Unterteilung der Zielpersonen und dem angesetzen Maßstab veranschaulichen:

NutzergruppeZieldefinition
Kleinkinder Höchstmöglicher Gesundheitsschutz
Schwangere Höchstmöglicher Gesundheitsschutz
Ältere Menschen Höchstmöglicher Gesundheitsschutz
Menschen mit besonderem gesundheitlichen Bedarf Höchstmöglicher Gesundheitsschutz
Gesunde Menschen im Lebensraum Normaler Gesundheitsschutz
Gesunde Menschen im Arbeitsraum Gesetzliche Erfordernisse beachten

Maßnahmen zum gesunden Wohnen

Wie bei der Energieeinsparverordnung physikalische Eigenschaften der Bau- und Werkstoffe verwendet werden, um definierbare Ziele anzugeben, so sind auch im Bereich des gesundes Bauens solche Bestrebungen anzufinden. Grenzwerte sind in Anbetracht von vorhandenen chemischen Verbindungen und Stoffen vorgegeben. Zum Beispiel regeln Richtlinien für Öfen die Grenzwerte der Emissionen (Ausstöße von Luftschadstoffen). Bei Anstrichmittel sind ebenfalls Grenzwerte vorzufinden, um die Beeinträchtigung zu reduzieren. Der Ansatz sind Volldeklarationen. Das bedeutet, dass eine vollständige Benennung aller Inhaltsstoffe auf der Verpackung vorgefunden werden kann, wie schon bei Naturfarben üblich.

Baubiologische Gutachten wiederum sind eine hilfreiche Unterstützung für den Bauherren und Bauplaner. Der Baubiologe scheint sich als zukünftiger Berufszweig zu entwickeln, der eine Parallele zum Energieberater aufweist. Dieser bewertet die immer umfangreicher werdenden Zusammenhänge zwischen der Materialauswahl, dem Gebäude- und Raumgestaltung und den Bewohnern.

Verwendte Wörter und Ihre Bedeutung

Durch diesen Ratgeber hoffen wir Ihnen vor Augen führen zu können, wie sehr ein beratendes Gespräch mit einem Fachmann empfehlenswert ist. Denn stets ist ein gewisses Maß an Verständnis notwendig, um die Materialen mit Ihren Auswirkungen zu verstehen. Aufgrund der unterschiedlichen Empfindlichkeiten können neben der grundsätzlichen Schadstoffvermeidung individuelle Ansätze und Auswahlen für Sie empfehlenswerter sein. Auch wenn durch gesunden Menschenverstand manche Fragen beantwortet werden können, so sind all zu oft fortgeschrittene bis tiefgehende Kenntnisse notwendig. Fachkräfte wie der sich nun herauskristallisierende Baubiologe sind dafür notwendig, um anzutreffende Begriffe wie "Wohngesundheit", "gesundes Bauen", sowie "wohngesunde Innenfarben / Holzschutzmittel", "Gesundheitsunschädliche Baustoffe" und viele weitere verständlich zu vermitteln.

Malerversand

Falls Sie noch offene Fragen haben, steht für Sie von Montag bis Freitag zwischen 7:00 Uhr und 16:00 Uhr unsere Kundenbetreuung unter 0766-3834971 bereit. Alternativ erreichen Sie uns ebenfalls per E-mail unter service@malerversand.de!